Last Update 09.01.2009 18:06 Uhr

Yamaha XVS 1600 Wild Star

innerstädtischen Straßen verlassen und mir meinen Highway gesucht. Da die Straßen in Ostfriesland aber auch hin und wieder mal eine Kurve bieten, habe ich mich davon überzeugen können, dass 300 Kilogramm Cruiser nicht unbedingt unhandlich sein müssen. So lässt sich die XVS auch ohne Probleme auf kurvenreicherem Terrain bewegen. Lediglich besonders enge Ecken wollen mit Nachdruck eingelenkt werden, fällt der Radius ansonsten jedoch etwas größer aus als gewollt. Aber sie ist wesentlich handlicher, als ihr „Standbild“ es mir glauben machen wollte. Auch der Federungskomfort der Wild Star kommt ihrem Fahrer auf den schlecht geflickten Kreisstraßen in Ostfriesland sehr entgegen, lässt sie die starken Stöße der Fahrbahnabsätze doch kaum bis zu ihm vordringen. Das Fahrwerk erweist sich als außerordentlich stabil und ist kaum zu beeindrucken. Lediglich Längsrillen lassen wohl auf Grund der breiten Bereifung Unruhe ins Fahrwerk gelangen, die zwar störend wirken, aber niemals besorgniserregende Ausmaße annehmen. Auch die Bremsanlage der Wild Star ist über jeden Zweifel erhaben und fängt die 300 Kilogramm der Yamaha, meine 75 Kilogramm und die ..... Kilogramm meiner Ehefrau (bei Frauen ist das doch immer ein Geheimnis) jederzeit sicher wieder ein. Insbesondere auch die hintere Scheibenbremse ist sehr gut dosierbar und zeigt deutliche Wirkung. Da die Straßen im heimatlichen Ostfriesland aber wirklich in einem an die neuen Bundesländer erinnernden Zustand sind (vor der Wende natürlich) nehme ich Kurs Richtung Emsland, wo die Besiedlung zwar noch dünner, die Straßen aber erheblich besser werden. Und nun ist wahres Cruisen angesagt. Der mächtige V 2 mit seinem enormen Drehmoment von134 Nm bei nur 2.250 U/min. (in Worten: zweitausendzweihundertundfünfzig) wirkt einfach nur souverän. Wer seine Leistung von 63 Pferdchen aus 1600 Kubikzentimetern schöpft, dem ist jegliche Hektik fremd. Und die Souveränität der Wild Star überträgt sich auf mich. Dort, wo ich sonst den Hahn bis zum Anschlag aufziehe und meine Fahrerlaubnis aufs Spiel setze, halte ich jetzt jede Geschwindigkeits beschränkung auf das genaueste ein - und es fällt mir nicht einmal schwer. Kurven, in denen ich sonst die Schräglagengrenze meines Supersportlers anteste durchfahre ich gemächlich und auch überholende GTIs, die ich sonst in ihre Grenzen verweise, stören mich in keinster Weise. Relaxen ist angesagt und das
geht mit der Wild Star fantastisch. Die erlaubte Höchstgeschwindig-keit auf Bundesstraßen ist zugleich der Geschwindigkeitsbereich in dem sich die Yamaha am wohlsten fühl. Und jetzt fühle ich mich auf einmal auch Wohl. Die Hektik des Alltags ist vergessen und mein Puls bewegt sich in gesundheitsfördernden Regionen. Das Getriebe der Wild Star braucht hinter dem Ortsausgangsschild dank des enormen Drehmoments nicht bemüht werden, was nicht heißen soll, es sei leicht und exakt zu bedienen. Aber warum soll ich die Füße von den bequemen Trittbrettern (klappbar) nehmen, wenn auch ein kurzer Dreh am Gasgriff ausreicht. So lasse ich mir schaltfaules Fahren äh... Cruisen gefallen. Mein Blick fällt auf die Uhr im klassisch gestylten Kombiinstrument, welches alle notwendigen Informationen in gut ablesbarer Form bereit hält. Tatsächlich, ich bin schon drei Stunden unterwegs. Die Zeit ist nur so verflogen und meine Knochen haben auch noch nicht rebelliert. Wenn ich bislang auf einem Chopper unterwegs war, begann sich meistens nach ein oder zwei Stunden mein Rücken zu melden. Aber dank der bequemen Sitzposition auf der Wild Star mit ihrem weichen Sitzkissen und ihrem hervorragend ergonomisch geform- ten Lenker haben meine alten Knochen die drei Stunden klaglos überstanden. Ach ja meine bessere Hälfte fährt ja auch noch mit. Hatte sie beim Anblick des Sitzbrötches für den Sozius nicht Klagen geäußert? Nein, wie sie mir später berichtet, fühlte sie sich sehr kommod untergebracht, viel angenehmer wie sie es vorher erwartet hatte. Bevor es wieder gen Heimat geht wird noch die nächste Tanke angefahren und hier wartet eine durchaus positive Überraschung auf uns. Keine sieben Liter hat sich die Wild Star gegönnt, ein Wert, den ich in Anbetracht des Hubraumes nicht erwartet hätte. Wieder zu Hause angekommen stelle ich die XVS 1600 Wild Star auf der Auffahrt ab und muss feststellen, das sie jede der 21.500,-- DM (incl. 365,-- DM Nebenkosten) ihres Kaufpreises Wert ist. Immerhin erhält man 14,3 Gramm Motorrad für eine Mark, bei Supersportlern gibt es gerade die Hälfte. Und morgen werde ich wieder Cruisen, auch die Sonntagsfahrer, die dann unterwegs sind und mich sonst immer stören, werden mich nicht aus der Ruhe bringen. Schade, dass es die Wild Star für Hektiker nicht auf Krankenschein gibt, so mancher Herzinfarkt könnte so verhindert werden.
motorrad-lifestyle.de
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