Last Update 29.09.2010 14:05 Uhr

Victory Vision Tour


Futuroskop

Victory Vision Tour
Regen. Was in der Übergangszeit wünschenswert ist, führt im Hochsommer schon mal zum Hitzestau hinterm Windschild. Hinzu kommt eine ordentliche Dosis Hitze durch den Auspuffkrümmer auf der rechten Motorseite. Apropos Motor: Beim Triebling handelt es sich nach guter amerikanischer Sitte um einen luft / ölgekühlten V Motor, der seine zwei Zylinder im Winkel von 50 Grad spreizt. Verglichen mit den Harley Triebwerken wirkt das 1 731 ccm große Aggregat mit Einspritzung, Vier ventiltechnik und hydraulischen Tassenstößeln sehr modern. Unterm Strich bringt der Motor ordentliche 70 kW/95 PS Maximalleistung, die ein stilechter Zahnriemen ans 16 zöllige Hinterrad transferiert. Doch für diese Art Motorrad ist die Leistung zweitrangig, aufs Drehmoment kommt es an. Und da liefert der Freedom Engine seine maximalen 146 Nm schon bei knapp über 4 000 Touren ab. Im lang ausgelegten sechsten Overdrive Gang schiebt er das Bike schaltfaul und sanft blubbernd bei niedrigen Drehzahlen gleitend durchs Gelände. Mehr noch: Beim Gasaufziehen am Ortsausgang dreht die Vision ruckfrei und erstaunlich nachdrücklich bis an den roten Bereich auch wenn sie und ihre Besatzung sich um 3 000 Touren herum wesentlich wohler fühlen. Allerdings leidet auch die Victory an der amerikanischen Krankheit: Das Auffinden des Leerlaufs gestaltet sich stets schwierig, das Einlegen des ersten Gangs wird von einem mächtigen Klonk begleitet. Ungewöhnlicherweise besitzt die Vision keine Schaltwippe, deshalb müssen Menschen mit Stiefelgrößen unter 45 zum Schalten die Füße ein wenig nach vorn schieben. Was aber wirklich erstaunt, ist die Leichtfüßigkeit, mit der sich die 360 Kilogramm übers Asphaltband bewegen lassen. Abgesehen von den kritischen Momenten Anfahren, kurz vorm Anhalten und dem Rangieren merkt man der Amerikanerin

Fotogalerie

ihre Pfunde nicht an. Selbst Hänflinge können die dicke Vision erstaunlich flott bewegen. So sorgt der Straßenkreuzer tatsächlich für eine ordentliche Portion Fahrspaß, der dieser Gattung ansonsten zu Lasten der Tourentauglichkeit eher abgeht. Das liegt an der guten Gleichgewichts verteilung und dem niedrigen Sitz, der viel Vertrauen schafft. Zudem besitzt die Vision eine für Cruiserverhältnisse geradezu unglaubliche Schräglagen freiheit, es braucht schon fast einen Sportfahrer, um mit den Trittbrettern Narben in den Asphalt zu ritzen. Für Notfälle ist das Trumm mit einer wirkungsvollen Drei Scheiben Bremse versehen, die serienmäßig über ein ABS verfügt und als Integralbremse ausgeführt ist. Beim Tritt auf den Fußhebel, der deutlich zu weit vorn liegt, wird für eine sehr effektive Verzögerung gleichzeitig die Vorderbremse aktiviert. Der Griff an den Bremshebel am Lenker hat dagegen eher homöopathische Folgen, die Entwickler haben das amerikanische Bremsverhalten mit Betonung der Fußarbeit im Blick gehabt. Alles andere an der Maschine ist Luxus pur: Von beheizten Sitzen und Griffen über satte 110 Liter Stauraum bis zum Tempomat ist alles an Bord, was das Reisen angenehm und kurzweilig macht, inklusive des serienmäßigen guten Soundsystems. Zwar halten die beiden integrierten Gepäckabteile in den Heckbacken nicht, was die äußere Form verspricht sie sind zu zerklüftet und haben einen engen Einstieg doch zusammen mit dem Topcase und kleinen Staufächern in der Verkleidung gibt es mehr Stauraum als man braucht. Freunde des Besonderen werden schnell Gefallen an der ungewöhnlichen amerikanischen Kreatur finden, denn die erstaunlichen Fähigkeiten werden zu einem in diesen Kreisen günstigen Preis von 21.990 Euro angeboten.


Victory Vision Tour
Thilo Kozik/mid
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