Last Update 13.11.2009 13:16 Uhr

Prototypen ersetzen die Neuheiten


Mailänder Motorradmesse EICMA 2009:

Prototypen ersetzen die Neuheiten
fassen. Dafür haben die Italiener ihrem jüngsten Spross alles mitgegeben, was die heimische Entwicklungsabteilung produziert hat: Die Leistung eines Sportmotorrades mit viel Sicherheit und Komfort, das Ganze in einem neuen, dennoch typisch Ducati gehaltenen Look und Stil. Herzstück der Multistrada 1200 ist eine Weiterentwicklung des 1198er Superbike-Triebwerks, das auf gleichmäßige Leistungsentfaltung und gute Beherrschbarkeit hin modifiziert wurde. Neben dem neuen Testastretta 11?-Motor mit 110 kW/150 PS Leistung und 118 Nm Drehmoment verfügt die schlanke Italienerin über zahlreiche technische Finessen: Drive-by-wire, Keyless-go, ABS, Traktionskontrolle und in der S-Version über die Ducati Electronic Suspension (DES), ein elektronisch einstellbares Öhlins-Fahrwerk. Natürlich ist die Multistrada 1200 zur Aufnahme eines Koffer- systems vorbereitet, das hauseigene Zubehör hält reichlich Tourenzubehör vom Tankrucksack bis zu einer höheren Scheibe parat. Dass man in Bologna - etwas spät, aber noch nicht zu spät - die Zeichen der Zeit erkannt hat, verdeutlichen die 2010er Monster-Modelle: Die 696 und die Monster 1100 in der Standard- wie S-Version sind künftig mit ABS erhältlich. Ein uneinheitliches Bild gab der größte und mächtigste Italo-Konzern ab, die Piaggio-Gruppe. Während bei den Konzern-Rollermarken Vespa, Gilera und Piaggio sowie der aus dem Aprilia-Zusammenhang gelösten Marke Scarabeo kleine Weiterentwicklungen und Motoren-Upgrades dominierten, legte die ebenfalls zu Piaggio gehörende Traditionsmarke Moto Guzzi eine völlig überraschende Vitalität an den Tag. Gleich drei appetitliche Prototypen, die allesamt aus der Feder des ehemaligen Ducati-Designers Pierre Terblanche stammen, zogen nicht nur Traditionalisten in ihren Bann. Die Neuheiten der Sportmarke des Konzerns, Aprilia, blieben dagegen blass. Hier fand sich lediglich eine mit hochwertigen Komponenten veredelte Dorsoduro 750 Factory. Den beiden kleineren italienischen Herstellern Benelli und Moto Morini war anzumerken, dass sie unter einer aktuellen Finanzkrise leiden. Da bleibt keine Luft für aufwendige Neu- entwicklungen. Auch die Österreicher von KTM sind nach der Neuheitenflut der letzten beiden Jahre zur Ruhe gekommen.
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Einziges echtes Neumodell für 2010 ist die Duke 690 R, ein land- straßensportlicher Feger mit potentem Einzylindermotor. Hier versprechen 51 kW/70 PS bei 148 Kilogramm Fahrzeuggewicht jede Menge Rasanz, ein orangefarbener Rahmen und Karbonkotflügel sorgen dafür, dass der Duke im Vorbeifahren erkannt wird. Als interessanten Ausblick in die nahe Zukunft wollen die Mattighofener zwei attraktiv gestaltete 125er Modelle für Führerschein A1-Aspiranten verstanden wissen. Die Konzepte im rassigen Kiska-Design zeigen dabei eine weit entwickelte Motorentechnik mit Vierventil-Zylinderkopf, Wasserkühlung, Benzineinspritzung und zwei oben liegenden Nockenwellen, mit denen die erlaubten 11 kW/15 PS spielend erreicht werden. Ein ansehnlicher Stahl-Gitterrohrahmen verleiht dem Ganzen Stabilität. Eine Konsolidierungsphase scheint auch bei Triumph vorzuliegen. Allerdings präsentierten die Briten ihre große Neuheit, die Rocket III Roadster, bereits vor vier Wochen der Fachpresse. So bleiben für den Mailänder Messe- stand zwei Sondermodelle: die Triumph Bonneville Sixty, ein stilechter Klassiker mit Speichenrädern und in der Farbgebung der Triumph-Motorräder aus den Roaring Sixties, und die Speed Triple SE, die mit mittigem Zierstreifen, Flyscreen sowie Höckerabdeckung in Fahrzeugfarbe daher kommt. Zudem bekommt sie überarbeitete Feder- elemente für ein besseres Fahr- verhalten, motormäßig bleibt der bekannte 1050er Triumph Triple mit 97 kW/132 PS das Prunkstück. Unterm Strich belegt die hohe Anzahl an Prototypen noch das Dilemma der Zweiradbranche: Kaum ein Hersteller geht in diesen Zeiten das Risiko teurer Neuentwicklungen ein, stattdessen zeigt man vergleichsweise günstige Machbarkeitsstudien. Ausnahmen wie BMW und Ducati bestätigen die Regel, doch es gibt auch einen kleinen Hoffnungsschimmer: In Mailand feierte die alte spanische Marke Ossa eine Wiederauferstehung, nachdem sie in den Siebziger Jahren zusammen mit anderen legendären Marken wie Bultaco untergegangen war. Das neue, alte spanische Unternehmen setzt zunächst auf eine kleine Trialmaschine mit selbst entwickeltem Motor, später sollen mehr Modelle folgen, die auch ein breiteres Publikum ansprechen sollen.
Thilo Kozik/mid / JS
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