Last Update 09.01.2009 18:06 Uhr

Moto Guzzi Stelvio 1200


Angriff auf die Weißwurst

Moto Guzzi Stelvio 1200
Technische Daten:
Technische Daten:
Motor
Luft-/Ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90°-Vaumotor, eine obenliegende, kettengetriebene Nockenwelle, vier Ventile pro Zylinder, elektronische Benzineinspritzung mit 50 mm Drosselklappendurchmesser, geregelter Katalysator, E-Starter.
Bohrung x Hub: 95 mm x 81,2 mm
Hubraum: 1151 cm3
Leistung: 77 kW (105 PS) bei 7.000 U/min
Max. Drehmoment: 108 Nm bei 6.500 U/min
Verdichtungsverhältnis: 11 : 1
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
Kraftübertragung: Sechsganggetriebe, Ein-Scheiben-Trockenkupplung, Kardan mit zwei Kreuzgelenken.

Fahrwerk:
Stahlrohr-Brückenrahmen, vorn in Federvorspannung, Zug- und Druckstufendämpfung verstellbare Upside-down-Gabel mit 50 mm Gleitrohrdurchmesser und 170 mm Federweg, hinten Einarmschwinge, in Federvorspannung, Zug- und Druckstufendämpfung verstellbares Zentralfederbein mit 155 mm Federweg.

Bremsen: Vorn 320 mm-Doppelscheibenbremse mit radial montierten Vierkolben-Zange, hinten 282 mm-Einscheibenbremse mit Zweikolben-Zange.

Räder: Aluminium-Speichenräder, vorn 2.50 x 19, hinten 5.50 x 17

Bereifung: Vorn 110/90 ZR 19, hinten 180/55 ZR 17

Elektrik: 12 V, 550 W

Maße und Gewichte:
Trockengewicht: 251 kg
Tankinhalt: 18 Liter
Sitzhöhe: 820 bis 840 mm
Radstand: 1535 mm

Preis/Garantie/Inspektion
Preis: 12750,- Euro inkl. Nebenkosten (optionales ABS ab Juni circa 700 Euro Aufpreis)
Garantie: Zwei Jahre

Nm bei 6500/min. Das sind satte 20 PS mehr als beim alten Guzzi-Zweiventiler. Auch deshalb ist der V2 ist ein wahres Kraftpaket. Ein leichter Druck auf den Starterknopf, der ungewöhnlich über einen Wippmechanismus funktioniert und gleichzeitig als Kill-Schalter dient, schon schüttelt sich die ganze Maschine in bekannter Guzzi-Manier. Im Leerlauf wackeln die Lenkerenden, als wollten sie Boogie tanzen. Die Vibrationen lassen sofort nach, sobald der Gasgriff nur ein paar Millimeter gedreht wird. Weich flutschen die einzelnen Gänge des Sechs-Gang-Getriebes ein und auf den formschönen Speichenrädern rollt die Stelvio gelassen ihrem Ziel entgegen. Bis 4500/min kann man die Leistungsentfaltung als unspektakulär bezeichnen, danach explodiert sie förmlich. Als hätte man den Turbo eingeschaltet, schießt sie mit Macht vorwärts. Bei 8000/min signalisieren Warnlämpchen, dass der Rote Bereich längst überschritten ist. Dieser Bruch im Drehzahlband ist nicht unbedingt jedermanns Sache, zumal gerade im unteren und mittleren Drehzahlbereich die entscheidenden Fahrmanöver wie Überholen und das Beschleunigen aus der Kurve stattfinden. Diese Besonderheit ist den Technikern bekannt, durch verschiedene Mapping-Einstellungen hat man versucht, sie etwas zu neutralisieren. Wenn man diese Motor-Charakteristik unter \"persönliches Empfinden\" ablegen kann, so gibt es in Sachen Ergonomie kaum Meinungsverschiedenheiten. Die Sitzposition auf der zweigeteilten Bank ist entspannt, die Sitzhöhe lässt sich auf 820 bzw. 840 mm einstellen. Auf einer BMW R 1200 GS hat man die Wahl zwischen 810 und 890 mm. Der Abstand zum ein Meter breiten Lenker passt großen wie kleinen Menschen, auch die Fußrasten sind gut erreichbar und der Kniewinkel nicht zu steil. Dass größere Fahrer mit ihren Knien an die herausragenden Zylinder stoßen, mag man als störend

Video
YouTube: Stelvio Motoguzzi
Länge: 2:05 Min.

17.03.2008: New Stelvio 1200 4v

empfinden, fällt während des Fahrens aber kaum ins Gewicht. Spürbar ist dagegen der Unterschied, in welcher Stellung sich das mechanisch verstellbare Windschild befindet. Subjektiv waren die Windgeräusche um den Helm in der höheren Position deutlich geringer. Warum allerdings die beheizbaren Lenkergriffe über den Schalter des Multifunktionsdisplays gesteuert werden und nicht über einen einfachen Kippschalter wie bei der BMW GS, mag nur durch die digitale Verspieltheit der Italiener erklärbar sein. Wann der Schalter gedrückt, geschoben oder gehalten werden muss, um die richtige Funktion anzuzeigen, wird man erst nach eingehendem Studium der Betriebsanleitung verstehen. Eine nützliche und in die Digitaltechnik einfach zu integrierende Ganganzeige fehlt dagegen. Wenig auszusetzen gibt es beim Fahrwerk. Bauartbedingt liegt der Schwerpunkt der Stelvio zwar recht hoch, was das Handling erschweren könnte, doch die fahrfertig immerhin 265 Kilogramm (BMW GS 242 kg) wiegende Enduro überrascht mit einer erstaunlichen Wendigkeit und zielgenauen Lenkbarkeit. Die 50er Upside-down-Gabel vorne und das 155 mm Federweg bietende Zentralfederbein sind voll in Druck- und Zugstufe einstellbar und zeigen sich sowohl auf Asphalt wie auch im Gelände den Herausforderungen grober Fahrbahndecken gewachsen. Das gilt auch für die Bremsanlage mit zwei schwimmend gelagerten Bremsscheiben und Vierkolben-Radialbremszangen vorne und einer Edelstahl-Bremsscheibe mit Zwei-Kolben-Zange hinten. Allerdings bedarf es doch einer kräftigen Hand, um den Bremshebel punktgenau zu bedienen. Ein ABS ist momentan noch nicht verfügbar, es soll optional für etwa 700 Euro Aufpreis ab Juni dieses Jahres angeboten werden. Aufpreispflichtig sind auch das Koffersystem sowie der auf die Stelvio passende Tankrucksack.
Norbert Meiszies
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