Last Update 19.02.2011 09:50 Uhr

Kawasaki ER-6n


Die kleine Außerirdische

Kawasaki ER-6n
Starterknopf und der ER-Motor nimmt mit typischem Paralleltwin-Sound seine Arbeit auf, ohne dabei allzu aufdringlich zu wirken. Die Sitzposition passt wie das berühmte Körperteil auf den Eimer. Der einwandfrei gekröpfte Lenker, die straffe Sitzbank und die kurz hinter dem Schwingendrehpunkt montierten Fahrerfußrasten lassen auch längere Strecken ohne Verkrampfungen zu. Der perfekte Knieschluss an der schmalen Maschine lässt auf spielerisches Handling schließen. Und die 53 kW/72 PS Leistung und das Drehmoment von 66 Nm klingen nicht nach einem schlappen Triebwerk. Also Gang einlegen und los. Der Vierventil-Twin schiebt ruckfrei und gleichmäßig vorwärts, ohne spektakulär zu wirken. Schon wird klar, dass unter der eigenwilligen Schale ein kreuzbraves Vehikel schlummert. Zumindest bis der Drehzahlmesser die 7 000er Marke überschritten hat. Dann nämlich legt der kleine Zweizylinder eine mächtige Schippe drauf. Selbst alte Heizer-Hasen haben nun eine Menge Fahrspaß auf dem Bike. Die Federelemente sprechen gut an. Mit dem spielerischen Handling, dem präzisen Einlenken und den knackigen Bremsen mit gutem Druckpunkt lässt sich auf verwinkeltem Geläuf so manchem Supersportler mächtig einheizen. Der serienmäßig montierte Dunlop Roadsmart glänzt dabei mit sattem Grip und messerscharfem Handling. Und wenn es einmal

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brenzlig wird, hilft das serienmäßige ABS, ein Überbremsen zu vermeiden. Auch an der Tankstelle sorgt die kleine Kawa mit glatten vier Litern pro 100 km im Landstraßenbetrieb für gute Laune. Ein Bike für alle Fälle also? Definitiv ja. Außer für Crosseinlagen vielleicht. Die ER-6n ist ein lammfrommes Motorrad, das den Einsteiger nie überfordert und mit Handlichkeit und mit seiner Durchzugsstärke selbst dynamische Einlagen ermöglicht. Für die zackige Gangart muss der Fahrer allerdings das leicht schaltbare Sechsganggetriebe häufig betätigen. Auch zierlichere Damen kommen mit der 600er gut zurecht. Die Kupplung erfordert wenig Handkraft, zudem lassen sich Brems- und Kupplungs-Hebel einstellen. Auch um die Alltagstauglichkeit ist es nicht schlecht bestellt. Am Heck befinden sich Gepäckhaken, die allerdings recht nah am Rahmen sitzen, so dass die Gepäckgurte mitunter an der Seitenverkleidung scheuern können. Der Kettenspanner lässt sich leicht bedienen und auf dem 15,5 Liter fassenden Spritbehälter sind handels übliche Tankrucksäcke gut zu befestigen. Neben der Nackten gibt es für 7 395 Euro, also für 400 Euro Mehrpreis, auch noch eine verschalte Variante namens ER-6f, die für Reisende und solche, denen das Design der \"n\" zu extravagant ist, die bessere Wahl sein dürfte.


Kawasaki ER-6n
Thomas Mendle/mid
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