Last Update 09.01.2009 18:06 Uhr

Honda Black Widow Modell 2000


Im Netz der Spinne

(Trockengewicht 221 Kilogram)in Verbindung mit dem tiefen Schwerpunkt und der niedrigen Sitzposition fühlen sich auch Biker ohne Gardemaß auf der Schwarzen Witwe auf Anhieb wohl. Auch zierliche Bikerinnen stellt die Honda nicht vor Probleme. Dank dieser Eigenschaften taugt sie nicht nur für lange, ausschließlich geradeaus verlaufende Straßen ala Route 66, sondern auch für bundesdeutsche kurvenreiche Landstraßen. Das Kurvenverhalten der Black Widow ist für einen Chopper jedenfalls erstaunlich agil und auch die Schräglagenfreiheit ist allemal ausreichend. Die Federungselemente der Witwe sind insbesondere was die hinteren Dämpfer anbelangt überraschenderweise eher etwas straff ausgelegt, was dem Fahr verhalten durchaus zugute kommt, dem Komfort auf norddeutschen Buckelpisten aber nicht unbedingt förderlich ist. Solange die Straße sich aber in einem vertretbaren Zustand befindet, arbeitet die Federung hinreichend feinfühlig. Gröbere Unebenheiten oder Schlaglöcher werden aber nur mittelprächtig absorbiert. Die Bremsanlage der Schwarzen Witwe wird mit der vorhandenen Leistung in allen Lebenslagen spielend fertig. Die vordere Einscheibenanlage ist gut zu dosieren und bietet ansprechende Verzögerungswerte. Die hintere Trommelbremse ist so mancher Scheibenbremse in puncto Wirkung sogar klar überlegen. Neben der Optik ist die Antriebsquelle das wichtigste Kriterium für einen Chopper. Dass es ein V 2 Motor sein muß, hat sich mittlerweile überall rumgeprochen. Auch das er Charakter haben sollte und Bums im unteren und mittleren Drehzahlbereich ist kein Geheimnis. Sparsam sollte er ebenfalls sein, denn Chopper verfügen nun einmal über wenig Tankvolumen und wer will schon gerne alle paar Kilometer eine Tanke suchen? Den Ingenieuren von Honda ist es gelungen, alle geforderten Eigenschaften zu erfüllen und in einer Weise miteinander zu verbinden, dass es die wahre Freude ist. Der 750 er V2 Motor mit 52°Neigungswinkel leistet 45 PS bei 5.500 U/min. und wuchtet ein maximales Drehmoment von 63 Nm bei 3.000 U/min. (drosselbar auf 34 PS bei 5.500 U/min und 62 Nm bei 2.750 U/min.). Diese Werte allein sind kaum beeindruckend. Wer aber die Schwarze Witwe einmal gefahren hat, mag kaum glauben, dass der Motor seine Kraft nicht aus mindestens
1000ccm Hubraum schöpft und „nur“ 45 PS leistet. Bereits ab Standgasdrehzahl zieht der Motor ruckfreihoch und ver wöhnt seinen Fahrer mit einem tollen Durchzug. Es ist schon erstaunlich, zu welchem Feeling 45 PS in der Lage sind. Untermalt wird die Arbeit des V2 nicht nur durch den dazugehörigen Sound sondern auch durch die für einen V2 so typischen „good vibrations“ die zu einem Chopper gehören wie das Gelbe zum Ei. Dabei werden die unangenehmen hochfrequenten Schwingungen wirksam absorbiert, so dass der Fahrer nur die Vibrationen wahrnimmt, die den Charakter eines V2 ausmachen. Ja, der Charakter der Black Widow entspricht zu 100% dem, den man von einem Chopper er wartet, auch wenn er nicht aus dem Mutterland der Low Rider stammt. Dass er dabei bei gemäßigter Fahrweise nicht mehr wie 5 Liter Sprit auf 100 Kilometer verbrennt, ist in Anbetracht eines Literpreises von über 2,-DM ein gewichtiges Kaufargument. Ganz nebenbei sind noch die Kaltstartqualitäten der Schwarzen Witwe erwähnenswert, die sich ohne Einschränkungen Bestnoten vedienen. So darf man den Motorenentwicklern von Honda vollauf bescheinigen, alle Anforderungen, die das Lastenheft für einen Chopper ausweist, mit Bravour erfüllt zu haben. Das gut abgestimmte und butterweich zu schaltende Fünfganggetriebe setzt in dieser Klasse eindeutig den Maßstab für die Konkurrenz und ist quasi Indikator für den hohen Standart im Hause Honda. Die für Honda übliche Verarbeitungsqualität, hondaübliche Bedienelemente und durchdachte Detailösungen wie z.B. Rückspiegel, in denen man tatsächlich erkennt, was sich hinter einem abspielt, runden das gute Gesamtbild der Witwe ab. Mit einem Preis von 14.990,-DM ist die Black Widow von Honda auch erschwinglich und darf in Hinblick auf die dafür gebotenen Qualitäten als angemessener Gegenwert bezeichnet werden. Ob die künftigen Besitzer einer Honda Black Widow eine Phobie vor (echten) Spinnen haben, mag dahingestellt bleiben, Angst vor der Honda werden sie nicht zu haben brauchen, denn sie bietet gewohnte Qualität in ansprechendem Outfit gepaart mit einem charakter vollen Antrieb und behandelt ihren Partner bzw. Eigner erheblich besser als ihre Namensgeberin aus der Spinnenwelt.
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