Last Update 09.01.2009 18:06 Uhr

Fahrbericht Triumph Speed Triple Modell 2002

Fahrbericht Triumph Speed Triple Modell 2002
Fahrbericht Triumph Speed Triple Modell 2002

Landstraßen-Einlagen ordentlich Grip bietet. Das sollte er auch, denn genau diesen Bereich nutzt man mit der Triple besonders gern. Tief nach vorn gebeugt und sehr Vorderrad orientiert, ist es mit der aufrechten Sitzposition nicht mehr allzu weit her. Mit leicht angewinkelten Armen, den Oberkörper fahraktiv nach vorn gebeugt – so ist´s recht. Aggressiv, und mit dem imaginären Messer zwischen den Zähnen, hechtet die Triumph atemlos von einer Kurve zur nächsten, dass Landstraßenfreunden das Herz aufgeht. Damit es auch vor der Kurve nicht unangenehm eng wird, pressen sich bei Bedarf insgesamt acht Kolben gegen die 320er Bremsscheiben. Der Kraftaufwand ist niedrig, Wirkung und Dosierbarkeit halten selbst einigen schnell gefahrenen Nürburgring-Runden stand. Störend, jedoch nicht wirklich tragisch, ist die schlechte Rücksicht in den Spiegeln. Da gibt´s im Zubehör schicken Ersatz, der auch in der Praxis seiner ureigenen Funktion deutlich besser nachkommt. Ein Gedicht ist das straff abgestimmte, komplett verstellbare Fahrwerk. Dabei ist der große Verstellbereich vorteilhaft. Zum Softie mutiert sie jedoch selbst bei ganz weicher Abstimmung nicht. Tourenfahrer werden demzufolge den Komfort als eingeschränkt beurteilen, aber was ist das schon im Vergleich zum messerscharfen Handling und den großen Fahrwerksreserven. Dank der steil anstehenden Telegabel lenkt die Triple klappmesserartig ein. Kein Wunder, beträgt der Lenkkopfwinkel mit 66,5° beinahe aktuellem Rennmaschinen-Niveau. Die Sitzbank ist hart und verjüngt sich zum Tank, so dass man sich gedanklich auf einem Supersportler wähnt. Auch das Sitzplateau bewegt sich mit 815 Millimetern tendenzielle eher auf Rennstreckenniveau. Wirklichen Soziuskomfort erwartet also niemand wirklich ernsthaft. Herumturnen, sich dabei dem Fahrtwind stellen, spät bremsen um bei Bedarf tief abzuwinkeln, anschließend den röchelnden Dreizylinder-Klang frönen und nebenbei auch noch schwarze Striche auf den Asphalt zu malen – das ist die ureigene Domäne der Triumph Speed Triple. Nach durchschnittlich gut 250 Kilometern und reichlich

Fahrbericht Triumph Speed Triple Modell 2002

körperlichem Einsatz wird niemand etwas gegen eine Tank- und Zigarettenpause haben. Im Schnitt fließen immerhin 6,8 Liter Superkraftstoff durch die Einspritzdüsen. Wer´s herzhaft angehen lässt, bewegt sich jedoch meist zwischen 7 und 8 Litern je 100 km. Sparsam ist anders, aber nackter Spaß kostet nun mal einen Extra-Zuschlag. Um dem Fahrtwind zumindest ein kleines Schnippchen schlagen zu können, ist die zierliche Fly Screen-Verkleidung erstaunlich nützlich. Der eigentliche Gewinn liegt jedoch in der optischen Aufwertung. Denn auch mit der kleinen Fliegenpatsche werden Autobahn-Trips oberhalb der 200 km/h-Marke zum Kräftemessen zwischen Mann (resp. Frau) und Naturgewalt. Selbst in diesem Geschwindigkeitsbereich wird das Erlebnis „Speed Triple“ vom einmaligen Ansauggeräusch geprägt. Das Pfeifen des Primärtriebes, das im Leerlauf gelegentlich als banales laut empfunden wird, kehrt sich mit den ersten Metern in ein raues Klima aus röhrigem Atem mit gewaltigem Pulsschlag. Das Anfahrdrehmoment ist ordentlich und ermöglicht bis 5.000 min-1 durchaus eine schaltfaule Fahrweise. Dann fällt der Triple in ein spürbares Loch, dass erst bei 7.000 min-1 überwunden ist. Wie vom Katapult geschossen, marschiert sie von da an nach vorn, so dass beim vollen Durchbeschleunigen im ersten Gang nur das Hochschalten in den zweiten einen Wheelie verhindert. Welch Geräuschkulisse, welch tierischer Spaß, sich in diesem Drehzahlbereich zu tummeln. Dabei macht auch das gut schaltbare Sechsganggetriebe keinen Strich durch die Rechnung. Zwar etwas knochig, dafür aber leise und exakt, macht es jedes wildes Treiben mit. Fazit: Eine Triumph Speed Triple ist nicht nur optisch ein ausdruckstarkes Motorrad. Technisch bietet sie einen, bis auf den Einbruch im mittleren Drehzahlbereich, durchzugsstarken und potenten Motor mit G-Kat. Dazu ein handliches, straff abgestimmtes Sportfahrwerk, das sich im kurvenreichen Labyrinth am wohlsten fühlt. Angesichts des Preises von gut 11.000 € eine definitiv empfehlenswerte Möglichkeit, ein Charakter-Bike zu erstehen.


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Ulrich Hoffmann
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