Last Update 09.01.2009 18:06 Uhr

Fahrbericht Aprilia RSV Mille Modell 2001

Fahrbericht Aprilia RSV Mille Modell 2001
Fahrbericht Aprilia RSV Mille Modell 2001

60 Grad V 2 der RSV dabei aus seiner Konstruktion keinen Hehl macht ist kein Kritikpunkt sondern eine Charaktereigenschaft. Wer seidenweich fahren will, der greife lieber zum Vierzylinder. Untermalt von grollenden Ansauggeräu-schen schiebt der Motor jenseits der 2.500 U/min. vorwärts, um ab 4.000 U/min. kräftig an der Antriebskette zu zerren. Wer das Potential des Motors auf kurvenreicher Strecke nutzen möchte, wird die erstklassige Sitzposition auf der Mille schnell zu schätzen lernen. Mit meinen 175 cm war ich noch nie so perfekt auf einem Sportbike untergebracht. Dank des ergonomisch hervorragend geformten Benzinbehälters der wegen der schmalen Bauweise des Motors ebenfalls untenherum, (was bei einer Italienerin aus Fleisch und Blut nicht immer der Fall ist) recht schmal ausfällt und einen förmlich zum „Hanging off“ einlädt, erleichtert es die Mille ihrem Piloten, Gewicht auf das Vorderrad zu bringen. Hier verdient sich die Mille in Sachen sportliche Sitzposition einfach die Wertung „Perfekt“. Auch die Rückmeldungen vom Vorderrad sind so sensibel wahrnehmbar. Dass die gelungene Position der Fußrasten und eine gut ausgeformte Sitzmulde dazugehören, scheint für die Mille selbstverständlich zu sein. Wer nun meint, diese Sitzposition tauge zwar für die Rennstrecke, sei aber nichts für die Wochenendtour, dem sei gesagt, dass sportlich nicht mit unbequem gleichgesetzt werden muss, jedenfalls nicht mehr seit es die Mille gibt. Kein übermäßiger Druck auf die Handgelenke, keine zu hohen Fußrasten stören das Wohlbefinden auf der schönen Italienerin (jedenfalls nicht bis 185 cm Körpergröße). Auf so manch anderem Sportbike fühlte ich mich erheblich schlechter untergebracht. Die Verkleidung der Mille ist optisch zwar ein richtiger Hingucker, dürfte aber im High-Speed-Bereich durchaus noch etwas mehr Windschutz bieten. Zwar kann man sich auf der RSV sehr gut „klein machen“, aber eine etwas höhere Scheibe könnte bei Geschwindigkeiten über 260 (lt. Tacho) wirklich nicht schaden. Dabei scheint sie aber für eine gute Aerodynamik zu sorgen, was die Topspeedwerte belegen. Dass die Mille auch über ein tolles Fahrwerk verfügt, ist für eine sportliche Italienerin natürlich Ehrensache. Ein kurzer Zug am Lenkstummel genügt und die RSV lenkt präzise ein. Nicht dass sie wie von selbst in Schräglage fallen würde, sie will schon gefahren werden, aber in einer Art, die mir so viel Freude bereitet hat, wie selten. Dank der bereits angesprochenen Sitzposition lässt sich die Mille um`s Eck scheuchen, dass es die wahre Wonne ist. Auch wenn es handlichere Sportbikes gibt, die Mille ist
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Fahrbericht Aprilia RSV Mille Modell 2001

derart fahrdynamisch, dass der Spaßfaktor mit ihr einfach unübertrefflich ist. Sie macht es ihrem Piloten einfach auf ihr herumzuturnen und vermittelt einem das Gefühl zu fahren und nicht gefahren zu werden. Dabei hält sie die einmal eingeschlagene Linie in allen Geschwindigkeitsbereichen die Treue, was man hinlänglich als Kurvenstabilität bezeichnet. Die Federelemente verrichten ihre Arbeit kritiklos. Diverse Einstellmöglichkeiten konnten aber in Anbetracht der fehlenden Zeit nicht mehr ausprobiert werden. Bei den Anfang März herrschenden Temperaturen um die 10 Grad sind aber nicht geeignet, den Dämpfern ihre Grenzen aufzuzeigen. Für sommerliche Temperaturen waren aber noch genügend Reserven vorhanden. Das Ansprechverhalten der Dämpfung war tadellos. Lediglich die Nasshaftung der Serienbereifung vermochte mich nicht vollends zu überzeugen. Beim Thema Bremse hat sich die Mille in verschiedenen Tests Kritik eingeheimst. Für das 2001er Testmodel trifft diese Kritik aber nicht mehr zu. Ausgestattet mit Vierkolben- festsätteln und Stahlflexbremsleitungen überzeugte die Anlage mit sehr guter Verzögerung, einem klaren Druckpunkt und geringer erforderlicher Handkraft. Damit gehört sie eindeutig zur Oberklasse. Die Hinterradbremse hingegen ist eher unspektakulär. Die Soziustauglichkeitsprüfung musste diesmal allerdings entfallen, da die Sitzbankabdeckung eben nicht nur eine Abdeckung ist und ich an das alternativ montierbare Sitzkissen für die Sozia einfach nicht gedacht hatte, sehr zum Bedauern meiner regelmäßigen Mitfahrerin und Ehefrau (kommt bestimmt nicht wieder vor). Die Anbauteile der Mille sind mit sehr viel Liebe zum Detail konstruiert. Die hydraulisch betätigte Kupplung ist leichtgängig, was nach meinen Erfahrungen nicht selbstver- ständlich ist. Die Verarbeitungs- qualität macht einen hervorragenden Eindruck und bis auf einen für mein Gefühl etwas tief platzierten Blinkschalters sind alle Bedienelemente praxis- gerecht gestaltet. Das Cockpit liefert gut ablesbare Informationen in hinreichender und übersichtlicher Form. Das kann man leider von den Rückspie- geln nicht so uneingeschränkt sagen. Zum größten Teil bilden sie die eigenen Oberarme ab. Wirkliche Schwächen kennt die RSV Mille hingegen nicht und wer bereit ist 23.999,- DM zu investieren, was für eine Tausender vom Schlage der Mille wirklich nicht viel ist (schließlich kosten eine MV oder eine 996 einiges mehr und japanische 900er oder 1000er mittlerweile auch schon), kann die schöne rassige Italienerin sogar kaufen. Da kann man nur sagen „bella Italia“.


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Harald Abt
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